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Weinen ohne Träne – Warum wir in der Nacht träumen müssen

Nassgeschwitzt aufgewacht

Sind Sie auch schon mal mit einem Problem statt mit einem Wunsch ins Bett gegangen und wachten mitten in der Nacht nassgeschwitzt und herzrasend auf?

In der Ihnen sicher bekannten, sog. REM-Phase verarbeitet unser Gehirn emotionale Inhalte des Tages, in dem es diese auf alternative Weise durchspielt. „Das Leben und die Träume sind Blätter eines und desselben Buches.“ sagte Arthur Schopenhauer einmal. Das dient dem Zweck, die Gefühle zu entschärfen und die Ereignisse zu integrieren. Salopp gesagt, ist der REM-Schlaf eine Art nächtliche Psychotherapie mit sich selbst (und das völlig kostenlos).

Währenddessen sind die emotionsrelevanten (limbischen) Strukturen im Gehirn hoch aktiv. Die weit vorne gelegene (präfrontalen) Abschnitte für die Kontrolle fahren dagegen herunter. Dadurch erhalten die Gefühle einerseits freien Lauf, aber aus dem gleichen Grund werden die geträumten Inhalte andererseits auch unrealistisch verzerrt. Unser Gehirn „lässt los“. Damit die Träume jedoch körperlich nicht ausagiert werden und der Organismus geschützt bleibt, bremst unsere Gehirn körperliche Reaktionen in dieser Schlafphase. Die Muskeln bleiben entspannt und das Herz schlägt vergleichsweise langsam. Nur die Augen rollen, was dieser Phase ihren Namen gab. Zusammenfassend kommt es im REM also zu intensiven Gefühlen ohne körperliche Beteiligung. Im Labor sagen wir: Das Gehirn weint ohne Tränen.

Mentale Skripte helfen

Wenn Menschen nun dennoch traumgeschüttelt aufwachen, dann hat diese autonome Schutzfunktion nicht adäquat funktioniert. Der Körper ist in Wallung geraten und beruhigt sich nachfolgend nur noch schwer. Der Rest der Nacht ist oft dahin.

Falls Ihnen das öfter passiert, hilft folgendes: Schreiben Sie für Ihr Problem alle möglichen Szenarien auf: Was kann passieren, gutes wie schlechtes? Was ist der wünschenswerte, was ist der befürchtete Ausgang? Was kann ich dann jeweils tun? Insbesondere die guten Lösungen und möglichen positiven Entwicklungen dürfen nicht fehlen. Spielen Sie die Situationen so bildhaft wie möglich durch. Schreiben Sie die Gedanken gerne zusätzlich stichwortartig auf. Beschäftigen Sie sich danach (ganz wichtig) kurz mit etwas Neutralem, bevor Sie das Licht löschen.

Ich verspreche Ihnen, nach dieser kleinen Übung ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass Ihr Gehirn das Problem weniger intensiv in der Nacht durchspielt, da bereits mental vorbereitete Zukunftsskripte vorliegen. Die Methode hört auf den hübschen Taufnahmen IRR (Image Rescripting and Rehearsal). Sie ist eine der hilfreichsten Maßnahmen, die wir in der Therapie zur Vermeidung luzider Träume einsetzen und wissenschaftlich hervorragend abgesichert 1.

Am Freitag dem 13.3. ist der „Welttag des Schlafes“. Vielleicht eine gute Möglichkeit, die Technik heute Nacht direkt einmal auszuprobieren und dem morgigen Ehrentag frischer uns ausgeruhter zu begegnen?

Ich wünsche Ihnen jedenfalls später von ganzem Herzen gute Träume und eine erholsamen Schlaf!

Literatur

  1. Hansen, K., et al., Efficacy of psychological interventions aiming to reduce chronic nightmares: a meta-analysis. Clin Psychol Rev, 2013. 33(1): p. 146-55.
Beitragsbild Blog Kopfsachen, Weinen ohne Träne

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Es wäre mir eine große Ehre und Freude, wenn ich Sie künftig mitnehmen dürfte auf meine Reise durch die Welt von Geist und Gehirn.

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