Drohender Untergang?
In der erschütternden Romanreihe Trisolaris des chinesischen Autors Liu Cixin erfährt die Menschheit durch den Kontakt zu einer außerirdischen Zivilisation, dass Ihnen in 400 Jahren eine Invasion bevorsteht. Die Erde wird untergehen, wenn nichts geschieht. Die Geschichte geht dabei der Frage nach: Was passiert mit einer Gesellschaft, die weiß, dass Sie untergehen wird?
Die Menschen reagieren mit einem Spektrum verschiedener Muster, jedoch keinem kollektiven Handlungsimpuls, sondern einem „Patchwork“ aus Verdrängung, Angst und Aktionismus: Zu Beginn relativieren viele die Gefahr, Wissenschaftler werden angezweifelt, der Alltag läuft weiter. Mit wachsender Bedrohung entstehen Heilsfiguren, die das Kommende moralisch aufladen. Auserwählte werden zu Projektionsfläche für Hoffnung auf „Erlösung“. In der Bevölkerung kommt es zu sinkende Geburtenraten, kulturellen Lähmungserscheinungen und einer kollektiven Depression. Je näher der Untergang rückt, desto deutlicher zerfällt die Gesellschaft. Demokratie wird zum Recht des Stärkeren und Reicheren, der sich sein Überleben erkauft oder erkämpft.
emotionale Überforderung
Ich halte diese Erzählung für einen der wichtigsten der Neuzeit. Sie zeigt auf eine bedrückende Weise: Menschen sind emotional schnell überfordert, sobald die Lösungsbemühungen länger andauern als die eigene Lebensspanne. Die Verantwortungsgefühl gegenüber anderen sinkt, sobald man weiß, dass man die Katastrophe selbst gar nicht mehr erleben wird. Die Menschen hoffen auf einen Helden, der nicht kommt. Der Roman zeigt nicht, dass es für schwerwiegende Probleme keine Lösung gibt, sondern zeigt, dass die größte Gefahr oft gar nicht der Feind, sondern die eigene Trägheit ist.
Nun zeichnet sich eine Invasion durch Außerirdische -Gott sei es gedankt- nicht ab. Aber es sind andere Probleme, die uns in den nächsten Jahrzehnten „überfallen“ könnten: Rente, Gesundheit, Staatsverschuldung und die Klimaveränderungen. Trisolaris ist in dem Zusammenhang ein Aufwachen für mehr Aufklärung und Vernunft. Ohne Identifikation mit der Zukunft werden wir die meisten der Herausforderungen nicht lösen. Menschliches Zukunftsbewusstsein konkurriert dabei mit immer mit Gegenwartsbedürfnissen. Und beides müssen wir jeden Tag verantwortungsvoll aushandeln.
Die Romanreihe endet bitter. Die Zukunft der wenigen Überlebenden steht sprichwörtlich in den Sternen. Unsere eigene sollten wir hier auf Erden schreiben.
Kommen Sie mit mir in die Zukunft. In einer Doppel-Folge meines Podcasts GEHIRN GEHÖRT: „Unsere Zukunft“. Auf allen gängigen Plattformen.
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Beitragsbild Blog Kopfsachen: WAs passiert mit einer Gesellschaft, die untergehen wird?