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Vorsicht Reizflut! – Wie Sie Ihr Gehirn schützen

Das wichtigste ist die Löschung

Wenn ich meinen Studenten die Frage stelle, was die bedeutendste Leistung des menschlichen Gehirns ist, lauten die meisten ihrer Antworten: Logik, Sprache, Kreativität oder Empathie. Die meisten reagieren erstaunt, wenn ich Ihnen sage: Es ist die Löschung von Informationen!

Die Reizaufnahme unseres Denkorgans liegt bei etwa 1 Mrd. Bit/sec. Deren bewusste Verarbeitung liegt jedoch bei max. 10 Bit/sec. Das sind -bei 16 angenommenen Wachstunden- insgesamt gerade einmal 70 KB (entsprechend ca. 30-40 Buchseiten) (1). Der Rest wird gelöscht. Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle raus an den Thalamus, vordere Bereiche des Neokortex und Salienznetzwerke, wie Cingulum und Insula, für ihre wertvolle tägliche Arbeit. 

Erschöpfte Filtersysteme

Durch eine anhaltende Reizflut können diese Filtersysteme jedoch erschöpfen. Dadurch dringen immer mehr irrelevante Informationen in unser Bewusstsein, die uns verwirren, stören und ablenken. Das wiederum erschwert Konzentration, denn diese gelingt uns im Alltag nicht (wie oft falsch dargestellt) durch verstärkte Kraft auf einen Gedanken, sondern durch das erfolgreiche Ausblenden von Störreizen. Genau das geht nun verloren. Alles drängt geistig nach vorne und kreist unentwegt im Kopf. Wir können nicht mehr abschalten, und es gelingt nicht mehr zu priorisieren oder zu vergessen. Zu guter Letzt verschieben die überlasteten Filtermechanismen auch die Wahrnehmung in Richtung Negatives. Dessen stärkere Gewichtung geht bei Betroffenen oft mit Stimmungsabfälle einher (2).

Schutz ist möglich

Was zuverlässig hilft ist:

 Akute Entladungen zwischendurch, bspw. durch Mikropausen am Schreibtisch, kurze Momente der Reizstille oder Power-Naps zur Mittagszeit, wenn möglich.

 Rechtzeitige Prävention, bspw. durch einen erholsamen Nachtschlaf, körperliche Bewegung, und viel Zeit in der Natur. Auch Achtsamkeitsübungen oder Meditation sind wirksam. Deren regelmäßige Praxis erhöht zwar nicht die absolute Kapazität, aber sorgt dafür, dass die Grenze später erreicht wird und die Filter schneller regenerieren (3).

 Vermeidung an der Quelle, bspw. durch dezidierte Auswahl, welche Informationen nützlich und sinnvoll sind. Was Sie gar nicht erst in Ihren Kopf lassen, müssen Sie später auch nicht filtern und löschen. Seien Sie ein „Türsteher“ für Ihr Gehirn und erinnern Sie sich an dessen wichtigsten Satz, wenn er angesichts einer Flut an Menschen vor einem Club auswählen musste: „Du kommst hier nicht rein!“

Selbstverantwortlicher Umgang

Auch wenn es Longevity- und Mental Health Enthusiasten aufstoßen mag: Kein Medikament und kein Supplement kann unsere Filtergrenzen erhöhen.

Daher braucht es einen selbstverantwortlichen Umgang mit der Reizflut von heute. In Zeiten der Informationsproliferation lohnen sich dabei Strategien, die eine kluge Auswahl und ggf. einen strengen Verzicht in den Fokus nehmen.

Wie sagte der Vater der Psychologie William James einmal so treffend: „Die Kunst der Weisheit ist zu wissen, was man übersehen muss.“

Beitragsbild Blog Kopfsachen: Vorsicht Reizflut

Beitragsbild Blog Kopfsachen: Vorsicht Reizflut

Es wäre mir eine große Ehre und Freude, wenn ich Sie künftig mitnehmen dürfte auf meine Reise durch die Welt von Geist und Gehirn.

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