Neues aus... KopfsachenNews

Kann uns ein schlechter Rhythmus schneller altern lassen?

Der Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe

Eine frisch in Nature Communications veröffentlichte Studie hat einen erstaunlichen Zusammenhang belegt: Der Rhythmus, in dem wir uns durch den Tag bewegen, sagt etwas darüber aus, wie schnell unser Körper altert.

Ein Team der Harvard School of Public Health wertete die täglichen Schritte von 2.222 Teilnehmern aus, und das prospektiv über die Dauer von knapp 4 Jahren (insg. 8.447 Personenjahre). Parallel wurde jährlich das biologische Alter über die sogenannte PhenoAge bestimmt, ein aus 9 Blutparametern berechneter Biomarker. Ausgewertet wurden Intensität, Zeitpunkt und Regelmäßigkeit der täglichen Bewegung sowie die Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe. Die Ergebnisse waren bemerkenswert:

Kontrast: Menschen mit ausgeprägtem Wechsel zwischen aktiven Wach- und ruhigen Nachtstunden zeigten eine bis zu 46% geringere Wahrscheinlichkeit des beschleunigten Alterns.

Konsistenz: Wer seinen Rhythmus konstant hielt (ähnliche Aufsteh- und Zubettgehzeiten und Aktivitätsprofile), zeigte ebenfalls ein geringeres Risiko für Alterungsprozesse. Bei Männern war der Zusammenhang weniger eindeutig, bei Frauen lag er statistisch bei 15%.

Zeitpunkt: Die Akrophase der hauptsächlichen Aktivität am späten Nachmittag oder Abend war mit einem 22% höheren Risiko schnelleren Alterns verbunden. Umgekehrt lässt sich daraus zwar nicht automatisch schließen, dass ein früher Peak schützt, aber eine Verschiebung nach hinten war ungünstig.

Bei Männern zeigte sich ein weiteres Warnsignal: Ein zerhackter Tagesbogen mit morgendlicher Unruhe, gedämpfter Aktivität am Tag und einem zweiten Aktivitätsanstieg in den späten Abend- oder frühen Nachtstunden (sog. biphasisches Aktivitätsmuster) war ebenfalls mit beschleunigten biologischen Alterungsprozessen verbunden.

Auf die Verteilung kommt es an

Cave: Die Arbeit allein ist kein ausreichender Beleg für eine Verjüngung durch einen geregelten Tagesplan. Man darf die Zusammenhänge nicht vereinfachen. Aber sie zeigt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Rhythmus und Biomarkern, und das erstmals in einem Längsschnittverfahren, das Aussagen über simple Querschnittskorrelationen hinaus erlaubt. Die Studie zeigt, dass es eben nicht nur auf die Menge, sondern auch auf die Verteilung der Bewegung ankommt. Möglicherweise ist Rhythmus auch ein Longevity Faktor.

Mein Vorschlag: Halten Sie einen möglichst regelmäßigen Tagesrhythmus, auch am Wochenende. Verlegen Sie Ihre Hauptaktivität nicht in den späten Abend, sondern vielleicht eher in den Vormittag, wenn möglich. Vermeiden Sie in jedem Fall das nächtliche Wiederhochfahren durch lange Bildschirmzeiten, spätes Essen oder ausgeprägte körperliche Unruhe.

Ich sitze in diesen Wochen an einem Text über Chronobiologie für eine bald erscheinende Publikation. Die aktuellen Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie wichtig regelmäßige Rhythmen für uns Menschen zu sein scheinen. Es erinnert an einen schönen Satz, der dem großen Goethe in den Mund gelegt wird: „Alles Glück beruht auf der regelmäßigen Wiederkehr der äußeren Dinge.“

 

Literatur:

Shim, J. and J.-P. Onnela, Longitudinal digital phenotyping of activity rhythms and biological aging using commercial wearables. Nature Communications, 2026.

 

Beitragsbild Blog Kopfsachen: Lässt uns ein schlechter Rhythmus schneller altern?

Beitragsbild Blog Kopfsachen: Lässt uns ein schlechter Rhythmus schneller altern?

Es wäre mir eine große Ehre und Freude, wenn ich Sie künftig mitnehmen dürfte auf meine Reise durch die Welt von Geist und Gehirn.

Schauen Sie doch mal hier:

Ich freue mich riesig, wenn Sie diesen Beitrag teilen.

Menü