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Lassen Sie Ihr Gehirn umkippen!

Parlamentarische Pause

Wenn wir komplexe Entscheidungen treffen, kommen in unserem Kopf verschiedene Stimmen und Meinungen miteinander „ins Gespräch“. Man könnte es mit dem Bundestag vergleichen, bei dem im gemeinsamem Bemühen um eine Problemlösung auch verschiedene Fraktionen sprechen dürfen – und zum Teil hitzig debattieren. Viele Meinungen machen den Diskurs leider nicht zwangsläufig besser und die lautesten Stimmen sind weiß Gott nicht immer die klügsten. Deswegen verhakt sich mitunter alles ineinander. Es geht nicht mehr vor und nicht mehr zurück, und das Ergebnis ist Stillstand. (Und schon wieder drängt sich der Vergleich mit dem Bundestag auf.)

Eben jener macht gerade eine parlamentarische Sommerpause. Manchen Diskussionen tut das durchaus gut. Im zähen Prozess einer Entscheidungsfindung, bei dem alle innerpsychischen Debatten zu keinem tragfähigen Schluss kamen, empfehle ich etwas ähnliches: Schenken Sie Ihrem Gehirn etwas „Urlaub“. Gemeint ist eine Phase, in der Sie nicht aktiv über Ihr Problem nachdenken, sondern sich ganz bewusst mit etwas anderem beschäftigen.

Entscheiden ohne Aufmerksamkeit

Tatsächlich gehören solche Pausen zu den am besten belegten Befunden der Entscheidungsforschung: So ließ bspw. der niederländische Sozialpsychologe Dijksterhuis Probanden komplexe Entscheidungen treffen, etwa welche von 4 Wohnungen sie wählen würden. Die erste Gruppe bekam nur sehr wenig Zeit zu entscheiden. Die zweite Gruppe durfte immerhin vier Minuten lang nachdenken. Und eine dritte Gruppe wurde nach der Aufgabenstellung erst mal mit einer ablenkenden Aufgabe beschäftigt. Und genau diese traf die besten Entscheidungen! Sie hatten nicht bewusst über die Entscheidung nachgedacht, dafür aber ihrem Unbewussten Zeit gegeben, im Hintergrund zu arbeiten. Dijksterhuis nannte den Effekt Überlegen ohne Aufmerksamkeit.

Interessant ist der neuronale Mechanismus dahinter: In einer kürzlich veröffentlichten Arbeit in der Zeitschrift Nature konnten Forscher durch die gleichzeitige Aufzeichnung elektrophysiologischer Entladungen im Gehirn den Moment beobachten, als aus dem Abwägen plötzlich eine Festlegung wurde. Die Wissenschaftler stellten fest, dass dies im Gehirn relativ plötzlich geschieht – oft während einer Denkpause. Entscheidungen „wachsen“ also nicht graduell, sondern „kippen“ irgendwann einfach in die eine oder andere Richtung.

Falls Sie also gerade vor einer wichtigen Entscheidung stehen: Machen Sie eine „parlamentarische Pause“. Beschäftigen Sie sich mit etwas komplett anderem. Mit etwas Glück kippt Ihr Gehirn währenddessen um, und es kommt es zum erlösenden Aha-Moment: „So mache ich es!“

Diese und andere Impulse zu leichteren Entscheidungsfindung finden Sie übrigens in meiner aktuellen Folge „Die Qual der Wahl“  der Podcastreihe GEHIRN GEHÖRT. Auf allen gängigen Plattformen.

Erholen Sie sich gut!

Literatur

  1. Dijksterhuis, A., et al., On Making the Right Choice: The Deliberation-Without-Attention Effect.Science (New York, N.Y.), 2006. 311: p. 1005-7.
  2. Luo, T.Z., et al., Transitions in dynamical regime and neural mode during perceptual decisions.Nature, 2025. 646(8087): p. 1156-1166.

 

Beitragsbild Blog Kopfsachen: Lassen Sie Ihr Gehirn umkippen

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Es wäre mir eine große Ehre und Freude, wenn ich Sie künftig mitnehmen dürfte auf meine Reise durch die Welt von Geist und Gehirn.

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